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Klangbeispiele zu

„The Trumpett shall sound“

Besetzung: vier Trompeten, Pauken & Percussion, vier Posaunen, zwei Theorben, Barockguitarre, Orgel, Violone

„The Trumpett shall sound“

Der Befehl des obersten Feldherrn zum Angriff in der Schlacht? Der Ruf des Zeremonienmeisters am Beginn des höfischen Festes? Oder hören wir die  Trompete des Jüngsten Gerichtes, wie in Georg Friedrich Händels berühmter Aria aus dem dritten Teil des „Messias“? Die Nähe zur Macht  und den Mächtigen, ganz gleich ob göttlicher oder weltlicher Art, ist durch  die Jahrhunderte für die Trompete, ihre Musik und Entwicklung bestimmend geworden. Als Attribut der Macht verkörperte sie all dies, was die Regenten waren oder sein wollten: Kraftvoll, mächtig und unermesslich  reich!

Ausgehend von der militärischen Bedeutung, die ihre Wichtigkeit und gehobene Stellung an den Höfen erklärt, waren die Trompeter, Pauker und Trommler  an der Organisation des höfischen Lebens in hohem Maße beteiligt. Sie begleiteten das Leben der Potentaten in Zeremonien von Geburt an bis zum Tod. Als Offiziere lebten sie in militärischen Diensten. Sie waren die  höchstbezahlten „Musiker“ am Hofe, hafteten im Gegenzug aber mit ihrem Leben, für ein falsches Signal im Kriegsfall. Der Eintritt der Trompete aus dem rein militärisch-zeremoniellen Bereich hin zur Kunstmusik begann  im frühen 17. Jahrhundert. Das erste dokumentierte Zusammenwirken der Hoftrompeter mit den sogenannten „gemeinen“ Musikern war die Uraufführung von Claudio Monteverdi’s „L’Orfeo“ 1607 in Mantua. Von da an gab es,  von Italien auf ganz Europa ausstrahlend, eine spürbare Annäherung der Trompete zur eigentlichen Kunstmusik, die höfischen Trompetergruppen wurden mehr und mehr in die Hofkapellen musikalisch integriert. Die  Blütezeit der kunstvollen Trompeten-Musik, der „Clarinblaskunst“ hatte begonnen.

Die Kompositionen des heutigen Konzerts stammen fast ausnahmslos aus dem 16. und 17. Jahrhundert. England, das aufgrund seiner Insellage in der  europäischen Musikentwicklung eine Sonderrolle einnimmt, wurde von 1485 - 1603 von der Familie der Tudors regiert. Unter ihrer Herrschaft wurden die Machtkämpfe innerhalb Englands beendet und nationale Macht und  Vermögen wiedergewonnen. In diese Zeit fällt auch die Englische Reformation (ca. 1532 - 1559), die eine stärkere Unabhängigkeit Englands vom europäischen Festland symbolisiert. Besonders während der Regierungszeit  von Elisabeth I.Tudor  (1558 - 1603) wurde in England Kunst und Kultur ambitioniert gefördert. Dieses "Goldene Zeitalter" der Musik und Literatur hatte eine ausstrahlende Wirkung bis in die Anfänge des 18. Jahrhundert. William Byrds (1546? - 1623) Leben und Werk fallen genau in diese Zeit. Über seine frühen Jahre ist nichts näheres bekannt. Es wird angenommen, daß Thomas Byrd, ein Mitglied der Chapel Royalsein  Vater war. Wie zeitgenössische Berichte belegen, war er um 1575  Schüler von J.Tallis in London. Nach einer Anstellung als Organist an der Lincoln Cathedral wendet sich Byrd nach London. In seinen Londoner Jahren  - ab 1570 war Byrd Mitglied der Chapel Royal -  komponierte Byrd viele Dedikationsmusiken für einflußreiche Adlige des Elisabethanischen Hofes. Unter ihnen war auch der Herzog von Oxford, der Byrd besonders förderte.  Byrd widmete ihm den "The Earl of Oxford's March" für das Virginal, der in unserem Konzert in einem Arrangement für Trompeten, Pauken, Posaunen und B.c. erklingt. William Byrd ist als die bedeutendste Musiker-und Komponistenpersönlichkeit der Elisabethanischen Zeit zu bezeichnen.

In der Zeit nach dem englischen Bürgerkrieg (1642 - 1649), dem nachfolgenden Commonwealth und Protektorat, gab es mit der Rückkehr von König Karl II.  im Jahr 1660 ein erneutes Aufleben musikalischer Prachtentfaltung am Hof in London. Unter König Jakob II. wurde das bereits bei Karl II. etablierte Ensemble twenty-for violins auf eine 35 Mitglieder zählende Private Music  erweitert.  Henry Purcell (1659 - 1695), der wohl bedeutendste Musiker am Hof der späten Herrschaftsjahre der Stuarts, gehörte diesem Ensemble als Cembalist an. Seine bedeutendste Musik für Trompeten stammt überwiegend aus der  letzten Dekade des 17. Jahrhunderts. Auf der einen Seite waren es sicherlich die italienischen Einflüsse, die Purcell in sein Schaffen aufnahm. Auf der anderen verband ihn gerade in dieser Zeit eine Freundschaft zu  Mathias Shore, dem „King’s Sergeant Trumpeter“ (Oberhoftrompeter). Immerhin 16 Trompeter zählte die Gruppe, die Mr. M. Shore anführte, unter ihnen auch sein Sohn John Shore. John Shore (ca. 1662 – 1753) war durch  die Position seines Vaters und seine große Begabung als Trompetenspieler schon früh an den besten musikalischen Produktionen beteiligt. Überdies wurde er als Lautenspieler und Instrumentenmacher audgebildet. Anfang  des 18. Jahrhunderts (das genaue Datum ist in dem zeitgenössischen Bericht nicht überliefert): „...riss ihm die Lippe mit Trompetenspielen, und war seitdem nicht mehr imstande, auf jenem Instrumente zu  spielen...“. Er blieb Lautenspieler am Hof, und übernahm 1707 die Stelle des „Sergeant Trumpeter’s“. 1711 erfand er die Stimmgabel.

England und ganz besonders seine Hauptstadt London, übte im ausgehenden 17. Jahrhundert durch seinen Reichtum und das schillernde Kulturleben ein  große Anziehungskraft auf ganz Europa aus. So kamen aus aller Herren Länder auch Musiker nach London um zu studieren, und noch viel besser: Ihr Glück zu machen! So auch Godfried (engl. Godfrey) Keller,  wahrscheinlich aus Böhmen, und Nicola Matteis aus Neapel. Über das Leben von G. Keller ist so gut wie nichts bekannt, nur das er um 1700 in London ein sehr geschätzter Klavierlehrer war. Die „Royal Trumpet Suite“ ist  einem um 1700 bei Stephen Roger in Amsterdam gedruckten und der englischen Prinzessin gewidmeten Prachtband entnommen.

Nicola Matteis wurde um 1650 in Neapel geboren. Er etablierte sich nach 1670 in London als Musiker und Lehrer für die Violine, aber auch für die  Guitarre. Matteis‘ Reputation als Komponist gründet sich vor allem auf seine 1676 und 1685 im Druck erschienen Werke für Violine und B.c. Anfang des 18. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten, starb Nicola Matteis  1714 in Suffolk.

Jeremiah Clarke (1674 - 1707) war ein führender Vertreter der jungen Komponistengeneration nach H. Purcell. Clarke ist heute eher als  Kirchenmusikkomponist bekannt, obwohl er sich auch mit anderen Genres, wie z.B. der Theatermusik intensiv beschäftigte. Auf der Titelseite eines Druckes von 1700 (A Choice Collection of Ayres for the Harpsichord) wird Clarke als "Composer of the Musick used in the Theatre Royal" beschrieben. Round-O: The Prince of Denmark's March  und Trumpet Tune sind wohl die bekanntesten Stücke von J.Clarke. Längere Zeit wurden sie H.Purcell fälschlicherweise zugeschrieben. Sie sind Teil der Musik für das Singspiel "The Island Princess" 1699, einer musikalischen Gemeinschaftsproduktion von Clarke und Daniel Purcell. Beide Stücke sind in verschiedenen Quellen und unterschiedlichen Besetzungen überliefert. Wahrscheinlich als Zwischenmusik oder Intermezzo komponierte Clark für "The Island Princess" eine  Symphony for Flat-Trumpets.

© Johann Plietzsch 2007